Diese Woche wollen wir die erste Schlange in unserem Terraristik-Leitfaden vorstellen. Dabei wird es ab jetzt dein ein oder anderen Artikel über die Kornnatter geben.

Im heutigen Beitrag wollen wir die Kornnatter erst mal etwas genauer kennenlernen. Denn wer das Verhalten und den Lebensraum kennt, der kann eine artgerechte Umgebung für sein Tier schaffen.

Bevor es also ans Eingemachte geht, gibt es erst mal ein paar Infos zur Schlange, den Farbausprägungen, dem Lebensraum und dem Verbreitungsgebiet sowie nützliches Hintergrundwissen zum Jagd- und Paarungsverhalten. Danach können wir tiefer in die Haltung von Kornnattern einsteigen.

Die besonderen Merkmale der Kornnatter

Die Kornnatter (Pantherophis guttatus) ist eine ungifte Schlangenart, die Lebensräume der östlichen USA besetzt.

Ausgewachsen erreicht die Kornnatter eine Gesamtlänge von 1,2-1,5 Metern. Dabei sind die Weibchen in der Regel etwas größer als die Männchen.

Die Kornnatter mit orange-brauner Färbung (Quelle: Wikipedia)

Quelle: Mike Wesemann, Public Domain

Besonders auffällig ist bei der Kornnatter der schlanke Körper. Gut, Schlangen sind natürlich lang und „dünn“, aber es gibt ja auch kräftigere und massereichere Schlangenarten ;). Der Kopf der Kornnatter ist nur leicht vom Körper abgesetzt.

Da die Kornnatter ihre Beute nicht mit Gift tötet, braucht die Schlange keine typischen Giftzähne. Dafür hat sie aber viele kleine Zähne, die nach hinten angewinkelt sind. Fällt einmal ein Zahn aus, dann wächst rasch ein neuer Zahn nach.

Durch die unterschiedlichen Lebensräume hat die Kornnatter eine Vielzahl von Farbkombinationen hervorgebracht. Dabei reicht die Färbung von einem dumpfen Grau bis zu einem kräftigen Orange-Braun (so kennen wohl die meisten die Kornnatter – siehe Bild). Man kann dabei grob sagen, je nördlicher die Schlange lebt, umso dumpfer ist die Farbausprägung. Was allerdings jede Kornnatter hat, sind die schwarz eingerahmten Flecken.

Lebensräume der Kornnatter

Wie oben bereits erwähnt, ist die Kornnatter über die östlichen USA verbreitet. Ein Blick auf die Karte verdeutlicht das. Dabei erstreckt sich der Lebensraum von New York bis zur Südspitze Floridas. Nach Westen hin ist die Kornnatter am meisten in den Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Tennessee zu finden.

(Quelle: Acapella, CC BY-SA 3.0

Der Lebensraum der Schlange ist durch Laub- und Nadelwälder, Grasland sowie Feuchtgebiete geprägt. Daher auch die verschiedenen Farbgebungen.

Da der Mensch immer weiter in den Lebensraum der Kornnatter vordringt, sind die Tiere immer häufiger in der Nähe von Menschen zu finden. Für uns Menschen ist das weniger kritisch, da die Schlange ja ungiftig ist. Allerdings bedroht unsere Ausbreitung den Lebensraum dieser wundervollen Tiere.

Verhalten und Lebensweise der Kornnatter

Die Kornnatter hat ein unheimlich interessantes Verhalten. Vor allem ihr Jagd- und Paarungsverhalten sind sehr spannend.

Die beliebten Schlangen sind vornehmlich Lauerjäger. Die Tiere werden munter und beginnen mit der Jagd, sobald die Dämmerung hereinbricht. Es wird dann meist die ganze Nacht gejagt, bis sich ein Erfolg einstellt.

Die Nahrung der Kornnatter besteht aus kleinen Säugetieren, Amphibien, Reptilien und sogar Vögeln. Besonders die Jagd nach Vögeln ist sehr skurril. Man soll nicht meinen, dass die am Boden lebenden Schlangen sonderlich gute Kletterer wären. Da täuscht man sich jedoch gewaltig. Die Kornnatter klettert geschickt zu Vogelnestern, die sie liebend gerne plündert.

Den Tag verbringt die Kornnatter zum größten Teil unter Laub, Baumstämmen, Felsen und in Höhlen. Die scheuen Tiere sind auch für gewöhnlich nicht sehr aggressiv und flüchten in der Regel. Erst wenn sie in die Ecke gedrängt werden, macht sich ihr Abwehrverhalten bemerkbar. Wie viele Schlangen auch krümmt die Kornnatter ihren Vorderkörper zu einem S. Dadurch kann das Tier blitzschnell hervorschnellen und einen gezielten Abwehrbiss austeilen. So ein Biss ist zwar nicht lebensbedrohlich, kann sich aber unbehandelt sehr schnell entzünden und zu bösen Infektionen führen. Also Vorsicht an alle angehenden Halter, wenn ihr das „S“ seht. 😉

Wer kennt aus amerikanischen Filmen nicht die angsteinflößenden Schlangenhöhlen, in denen sich hunderte Tiere versammeln, um gemeinsam die Winterruhe zu überstehen. Die Tiere im Film könnten sogar Kornnattern sein. Denn auch Kornnattern versammeln sich zur Winterruhe an einem geschützten Plätzchen. Ein beeindruckendes Schauspiel, so viele Schlangen auf einen Haufen zu sehen.

Zum Schluss möchte ich noch das Paarungsverhalten der Kornnatter ansprechen. Während der Paarungszeiten streifen die männlichen Schlangen durch ihr Revier – auf der Suche nach einem Weibchen. Die Angebeteten verteilen dabei Pheromone, wodurch die Männchen magisch angezogen werden. Hat die männliche Kornnatter einmal die Fährte aufgenommen, wird das Weibchen gnadenlos verfolgt. Das Ziel ist dabei der Rücken des weiblichen Tieres. Ist das Ziel erreicht, beginnt die eigentliche Paarung, die bis zu 30 Minuten andauern kann.

Nachdem das Weibchen die Eier sicher abgelegt hat, verlässt sie ihren Nachwuchs. Es findet also keine Brutpflege statt. Nach etwa 60-80 Tagen schlüpfen die jungen Kornnattern. Im nächsten Frühjahr ist auch der Nachwuchs paarungsbereit und das Spiel beginnt aufs Neue.

Fazit

Hätte meine Frau nicht eine solche Schlangenphobie, hätte ich schon längst eine Kornnatter zu Hause. Leider kann ich mich daher zum Thema immer nur mit anderen Schlangenbesitzern austauschen.

Man soll ja nicht meinen, dass die Kornnatter ein so abwechslungsreiches Leben führt. Es gibt viele prächtige Farbfacetten. Mir persönlich gefällt der orange-braune Typ am besten. Das sieht für mich einfach so richtig nach Schlange aus. 🙂

In den kommenden Beiträgen von „Der große Terraristik-Leitfaden“ gibt es noch mehr Infos zur Kornnatter-Haltung. Wir gehen dabei auf das Kornnatter-Terrarium ein und wie man zu Hause eine artgerechte Lebensumgebung für die Schlange schafft. Außerdem gibt es Tipps zum Kauf einer Kornnatter. Es folgt in den kommenden Wochen noch geballtes Wissen für alle Kornnatter-Fans.

Bildquelle zum Bild der Kornnatter: Wikimedia by Mike Wesemann