Gottesanbeterinnen sind interessante und mysteriöse Wesen. Man könnte meinen, dass diese Tiere von einem anderen Planeten kommen. Im heutigen Artikel über Gottesanbeterinnen möchte ich 4 Arten vorstellen, die für Anfänger auf dem Gebiet  sehr gut geeignet sind.

Wissenswertes über Gottesanbeterinnen

Gottesanbeterinnen werden auch als Manditen bezeichnet. Der Großteil der Gottesanbeterinnen, die für die Terrarienhaltung geeignet sind, stammen aus Afrika oder Asien. In diesen Ländern gibt es eine große Artenvielfalt.

Gottesanbeterinnen sind Lauerjäger und warten den ganzen Tag fast regungslos auf ihre Beute. Durch die perfektionierte Tarnung fallen die Tiere zwischen Ästen und Blättern kaum auf. Wenn allerdings ein Beutetier ins Ziel der Gottesanbeterin kommt, dann schlägt sie blitzschnell zu und hält es mit ihren Fangarmen fest.

Im Vergleich zu vielen anderen Insekten sind Gottesanbeterinnen Kannibalen, die ihre eigenen Artgenossen verspeisen. Je nach Art ist dieses Verhalten unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders während und nach der Paarung kommt es dabei oft zu Übergriffen durch die Weibchen. Aus diesem Grund ist die Zucht von Gottesanbeterinnen nicht gerade leicht und bedarf großer Aufmerksamkeit, um das Überleben des Männchens zu sichern.

Gottesanbeterinnen häuten sich mehrmals in ihrem Leben und durchlaufen dabei mehrere Entwicklungsstadien. Die Weibchen häuten sich insgesamt 7 mal und die Männchen 6 mal. Die letzte Häutung wird auch als Adulthäutung bezeichnet, da die Tiere danach voll entwickelt und sozusagen erwachsen (adult) sind. Bei der Häutung hängen sich die Gottesanbeterinnen kopfüber an Äste. In Terrarien hingegen hängen sie oftmals an der Decke des Terrariums. Daher sollte die Unterseite des Terrariendeckels mit einem Fliegengitter (Gaze)* bespannt werden. Daran kann sich die Gottesanbeterin sehr gut festhalten. Ebenfalls sollte in dieser Zeit darauf geachtet werden, dass sich keine Futtertiere im Terrarium befinden, die die Gottesanbeterin anknabbern können. Die Tiere sind in dieser Zeit nämlich völlig wehrlos.

Die hier vorgestellten Manditen-Arten sind in der Haltung relativ anspruchslos. Auch kurzfristige Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen vertragen die Tiere in der Regel relativ gut. Bei der Häutung sollten allerdings sehr gute Bedingungen hergestellt werden, da sich die Gottesanbeterin sonst unter Umständen nicht richtig häuten kann.

1. Die grüne Gottesanbeterin

Grüne Gottesanbeterin(Sphodromantis viridis)

Quelle: Adamantios, CC BY-SA 3.0 und GNU FDL

Wissenschaftliche Bezeichnung:
Sphodromantis viridis

Klimatische Herkunft:
Die Sphodromantis viridis ist am stärksten in Afrika (Norden, Westen und Mitte) vertreten. Dort lebt sie bei einer Tagestemperatur von ca. 25-28°C und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 50-60%. In der Nacht liegt die Temperatur etwas über 20°C. Ein guter Richtwert sollte hier 20-24°C sein.

Größe:
Weibchen bis etwa 10cm und Männchen bis etwa 8cm

Nahrung:
Fliegen, Heuschrecken, Schaben und andere Insekten in passender Größe.

Terrariumgröße:
mindestens 30x30x45 (BxTxH)

Einrichtung:
Sträucher, Gräser,Äste, Pflanzen mit Blättern

Gesellschaftsverhalten:
Können mit anderen Tieren, z.B. Käfern und Tausenfüßern, zusammengehalten werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Mitbewohner keine Fressfeinde sind oder nicht als Nahrung der Gottesanbeterin dienen. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Mitbewohner die Mandite bei ihrer Häutung nicht anknabbern können.
Durch den Kannibalismus sollte man höchstens Männchen in Gruppen halten. Der Halter sollte aber bereits ein wenig Erfahrung gesammelt haben.

Paarung und Zucht:
Wie bei den meisten Arten der Gottesanbeterinnen relativ kompliziert. Durch den Kannibalismus neigt das Weibchen leicht dazu das Männchen nach der Paarung zu fressen.

Lebenserwartung:
Weibchen leben noch bis ca. 8 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)
Männchen leben noch bis ca. 4 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)

Sonstiges:
Durch Nachzuchten hat diese Art mehrere Unterarten. Bei Anschaffung daher noch einmal genau über die klimatischen Bedingungen informieren, unter denen der Züchter bzw. Händler die Tiere gehalten hat.

2. Die indische Riesenmantis

Kopf einer indischen Riesenmantis (Hierodula membranacea)

Quelle: Tristanpotter, GNU FDL / CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 2.5

Wissenschaftliche Bezeichnung:
Hierodula membranacea

Klimatische Herkunft:
Süd- bis Südostasien, dabei hauptsächlich Indien, Sri Lanka und Thailand und lebt dort in tropischen Regenwäldern. Die indische Riesenmantis bevorzugt Tagestemperatur von ca. 25-29°C. Nachts fällt die Temperatur auf etwa 20-21°C ab. Die Luftfeuchtigkeit liegt etwa bei 50-60%. Es sollte daher ein Tropen-Terrarium eingerichtet werden.

Größe:
Bis etwa 10cm

Nahrung:
Fliegen, Heuschrecken, Grillen, Schaben und andere Insekten in passender Größe (etwas 2/3 der Körpergröße)

Terrariumgröße:
Auch hier sollte eine Mindestgröße von 30x30x45 (BxTxH) vorhanden sein.

Einrichtung:
Sträucher, Gräser, Äste, Pflanzen mit Blättern

Gesellschaftsverhalten:
Können mit anderen Tieren z.B. Käfern und Tausenfüßern zusammengehalten werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Mitbewohner keine Fressfeinde sind oder nicht als Nahrung der Gottesanbeterin dienen. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Mitbewohner die Mandite bei ihrer Häutung nicht anknabbern können.

Paarung und Zucht:
Durch den Kannibalismus mit hohem Aufwand verbunden. Die Paarung sollte so durchgeführt werden, dass das Weibchen gesättigt ist und das Männchen Fluchtmöglichkeiten hat. Daher am besten außerhalb des Terrariums durchführen.

Lebenserwartung:
Weibchen leben noch bis ca. 7 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)
Männchen leben noch bis ca. 4 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)

Mantiden: Faszinierende Lauerjäger

Manditen: Faszinierende Lauerjäger von Claudia Heßler, Rudolf Bischoff & Ingrid Bischoff ist ein Fachbuch, dass sich ausschließlich auf die Haltung und Zucht von Gottesanbeterinnen spezialisiert. Ein sehr guter Tipp, sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene Manditen-Halter.

Insekten im Terrarium: Gottesanbeterinnen, Stabheuschrecken & Co.

Insekten im Terrarium von Mathias Schneider gibt einen hervorragenden Überblick über eine Vielzahl von Manditenarten. Die Portraits & Tipps bieten wertvolle Informationen für alle Einsteiger und Fortgeschrittene.

3. Die Geistermantis (auch Gespenstermantis)

Subadulte Geistermantis (Phyllocrania paradoxa)

Quelle: Mydriatic, CC BY-SA 3.0 und GNU FDL

Wissenschaftliche Bezeichnung:
Phyllocrania paradoxa

Klimatische Herkunft:
Ostafrika in trockeneren Gebieten. Die Geistermantis bevorzugt Tagestemperatur von ca. 24-28°C. Nachts fällt die Temperatur auf etwa 21-23°C ab. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 50-60%.

Größe:
Bis etwa 6cm

Nahrung:
Fliegen, Motten und Fruchtfliegen. Die Geistermantis ist auf fliegende Beutetiere spezialisiert.

Terrariumgröße:
Mindestgröße von 30x30x45 (BxTxH)

Einrichtung:
Sträucher, Gräser, Äste, Pflanzen mit Blättern

Gesellschaftsverhalten:
Können mit anderen Tieren, z.B. Käfern und Tausenfüßern, zusammengehalten werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Mitbewohner keine Fressfeinde sind oder nicht als Nahrung der Gottesanbeterin dienen. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Mitbewohner die Mandite bei ihrer Häutung nicht anknabbern können.
Tiere gleichen Geschlechts können problemlos zusammen gehalten werden. Im Vergleich zu anderen Arten sind diese Tiere weniger aggressiv gegenüber Artgenossen.

Paarung und Zucht:
Die Zucht ist wesentlich leichter als bei den beiden zuvor genannten Arten. Wenn das Weibchen gut im Futter ist, ist die Angriffswahrscheinlichkeit gegenüber dem Männchen relativ gering.

Lebenserwartung:
Weibchen leben noch bis ca. 6 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)
Männchen leben noch bis ca. 2 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)

4. Ghana-Gottesanbeterin

Kopf einer Ghana-Gottesanbeterin (Sphodromantis lineola)

Quelle: R.J. Blach, CC BY-SA 3.0 und GNU FDL

Wissenschaftliche Bezeichnung:
Sphodromantis lineola

Klimatische Herkunft:
Afrikanische Steppe. Die Tagestemperatur sollte etwa bei 24-28°C liegen. Nachts auf ca. 20-23°C abgesenken. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 60-70%.

Größe:
ca. 8cm

Nahrung:
Fliegen, Heuschrecken, Grillen, Schaben und andere Insekten in passender Größe

Terrariumgröße:
30x30x45 (BxTxH)

Einrichtung:
Sträucher, Äste, Gräser, Pflanzen mit Blättern

Gesellschaftsverhalten:
Die Art ist sehr aggressiv und die Tiere sollten daher am besten einzeln gehalten werden.

Paarung und Zucht:
Durch die hohe Aggressivität ist die Paarung nicht ganz unkompliziert. Das Weibchen sollte während der Paarungszeit gut gesättigt sein. Das Männchen braucht nach der Paarung eine Fluchtmöglichkeit. Es bietet sich daher an, dass die Paarung außerhalb des Terrariums durchgeführt wird.

Lebenserwartung:
Weibchen leben noch bis ca. 7 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)
Männchen leben noch bis ca. 3 Monate nach der letzten Häutung (Adulthäutung)

Fazit

Gottesanbeterinnen sind sehr gut für Anfänger geeignet. Gerade die hier vorgestellten Arten sind relativ unempfindlich, wenn einmal Schwankungen bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit auftreten. Auch brauchen sie keine speziellen Pflanzen oder Haltungsbedingungen.

Wenn Sie die Tiere einzeln halten wollen, ist das so oder so kein Problem. Bei der Gruppenhaltung wird es allerdings schon etwas spezieller. Die Geistermantis ist in dieser Hinsicht die wohl einfachste Art von den hier vorgestellten Gottesanbeterinnen.

Durch das ausgeprägte kannibalistische Verhalten ist die eigene Nachzucht von Gottesanbeterinnen nicht gerade einfach. Gute Informationen zu diesem Thema bekommen Sie bei entsprechenden Züchtern und bei Terraristik-Vereinen.

Wenn Sie sich für Gottesanbeterinnen interessieren, konnte ich Ihnen hoffentlich eine gute Übersicht geben. Es gibt auch noch weitere Arten, die ebenfalls gut für Anfänger geeignet sind. Allerdings sollten sie dann einige Terraristik-Erfahrungen mitbringen, damit Ihnen die Haltung zu Beginn nicht allzu schwer fällt.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann kann ich Ihnen das Buch „Insekten im Terrarium: Gottesanbeterinnen, Stabheuschrecken & Co“* von Mathias Schneider empfehlen. Ich habe zu dem Buch auch einen Buch-Tipp verfasst, wo ich die Inhalte noch etwas genauer vorstelle.